Projektbericht Leibniz-Institut

Das einzige Mittel, unsere Schlussfolgerungen zu verbessern, ist, sie ebenso anschaulich zu machen, wie es die der Mathematiker sind, derart, dass man seinen Irrtum mit den Augen findet und, wenn es Streitigkeiten unter Leuten gibt, man nur zu sagen braucht: Rechnen wir! ohne eine weitere Förmlichkeit, um zu sehen, wer recht hat.

Gottfried Wilheim Leibniz

Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) hat bereits im April 2021 einen Bericht über die Lage der Krankenhäuser 1 in 2020 im Auftrag des Bundeministeriums für Gesundheit verfasst. Das RWI bezeichnet sich als führendes Zentrum für wissenschaftliche Forschung und evidenzbasierte Politikberatung in Deutschland und ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft; es diene ausschließlich gemeinnützigen Zwecken. Als Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft wird es durch Bundes- und Ländermittel finanziert. Interessanterweise fand dieser Bericht in der Öffentlichkeit kaum Beachtung, die Medien und auch das Bundesgesundheitsministerium als Auftraggeber schwiegen sich weitestgehend darüber aus.

Auszüge:

„Im betrachteten Zeitraum 2020 gab es in Deutschland seit Beginn der COVID-19-Pandemie Mitte März durchgehend weniger stationäre Fälle, und zwar im Zeitraum bis Ende Mai um ca. -30% und ab dann – einschließlich des Zeitraums der zweiten Welle – um -10%. Über das Jahr gesehen beläuft sich das Minus auf 13%, d.h. ohne Berücksichtigung der ersten zehn COVID-19-freien Wochen auf ca. -16%. Da die durchschnittliche Verweildauer nur minimal stieg, sanken auch die Verweildauertage um -12%. Im Resultat sank die Bettenauslastung auf ein Allzeittiefpunkt von 67,3% (und 68,6% auf den Intensivstationen). Dies berücksichtigt bereits die Versorgung der COVID-19-Patienten, für deren stationäre Versorgung im Jahresschnitt unter Berücksichtigung der Überlieger 2% aller Betten und knapp 4% der Intensivbetten benötigt wurden, natürlich mit zeitlichen und geographischen Spitzen. […] 2 Der Rückgang der Fallzahlen (-14%) und insbesondere der Verweildauertage (-15%) war besonders ausgeprägt in den über 900 Krankenhäusern mit weniger als 300 Betten, deren Betten nur noch zu 62,1% ausgelastet waren. Auch die intensivmedizinische Behandlung ging in diesen Krankenhäusern zurück; zugleich spielten sie bei der COVID-19-Versorgung mit 27% der stationären Fälle und 24% der intensivmedizinisch behandelten Fälle nur eine kleine Rolle. […] Insgesamt wurden laut Bundesamt für Soziale Sicherung (BAS) bis zum 31. Dezember 2020 rund 10,2 Mrd. Euro für die Einnahmeausfälle der Krankenhäuser in Form von Ausgleichszahlungen ausgezahlt. […] Fallzahlen: Die Differenz der nach DRG abgerechneten Behandlungsfälle 2020 betrug ggü. 2019 2,465 Millionen Fälle (von 19,242 Mio. auf 16,777 Mio.), was einem Rückgang von rund -13% entspricht, […] Bettenauslastung: Durch den Rückgang der Verweildauertage ging auch die Bettenauslastung deutlich zurück: im DRG-Bereich insgesamt von 75,1% im Jahr 2019 um 7,8%-Punkte auf nur noch 67,3%. Auch hier war ein deutlicher Effekt nach Krankenhausgröße zu beobachten: so sank die Bettenauslastung in den kleinen Krankenhäusern um 9,7%-Punkte auf nur noch 62,1%, in den mittleren um 8,3%-Punkte auf 66,3% und in den größeren um „nur“ 7,0%-Punkte auf 71,2%. Die Bettenauslastung im PEPP-Bereich [PEPP = Entgeltsystem Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik] ging sehr merklich um 11,9%-Punkte auf 81,5% zurück. […] Bettenauslastung auf Intensivstationen: Da die Anzahl der dem InEK [InEK = Institut für das Entgeldsystem im Krankenhaus] gemeldeten Intensivbetten praktisch konstant blieb (2019: 26 581; 2020: 26 787), sank die Auslastung insgesamt leicht um 1%-Punkt ab. Da die Anzahl der Intensivbetten in den kleinen Häusern jedoch abgenommen hat (und zwar um 7% von 6 697 [= 7,2/ Krankenhaus] auf 6.237 [= 6,8/ Krankenhaus]), stieg trotz des Rückgangs an Verweildauertagen die Auslastung auf 63,6%. Demgegenüber sank sie, trotz der gestiegenen Anzahl an Verweildauertagen, in den großen Häusern auf 71,0%. […] Covid-19-Fälle insgesamt: Insgesamt wurden im Jahr 2020 172 248 Behandlungsfälle mit der Nebendiagnose U07.1 (Covid-19, Virus nachgewiesen) behandelt. Es sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich um Fälle, nicht Personen handelt, da verlegte Patienten entsprechend mehrfach zählen. […]
Die mittlere Verweildauer der Behandlungsfälle mit COVID-19 lag bei 11,2 Tagen, so dass im Laufe des Jahres 2020 1,93 Mio. Verweildauertage [von 115.089.957 Verweildauertagen] erbracht wurden, was 1,9% aller Verweildauertage entspricht. […] Bezogen auf alle vorhandenen Intensivbetten ergibt sich eine durchschnittliche Belegungsquote von 3,4% bzw. 3,6% durch COVID-19 [229.631 von 6.753.882 Tagen].

Interessant in diesem Zusammenhang ist, was die Tageszeitung Die Welt berichtete 3: der Indikator für politische Entscheidungen beruhe auf falschen Zahlen. Zahlreiche Krankenhäuser würden für die Hospitalisierungsinzidenz auch Patienten melden, die das Robert-Koch-Institut dafür nicht vorgesehen habe: Patienten, die zwar mit dem Covid-19-Virus infiziert sind, die aber wegen anderer Krankheiten in die Klinik mussten. Nach Abrechnungsdaten von Krankenkassen hätten 20% der Patienten, die 2021 mit nachgewiesener COVID-19-Infektion in einem Krankenhaus lagen, nur einen symptomlosen Nebenbefund.

Anmerkungen
  1. https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/C/Coronavirus/Analyse_Leistungen_Ausgleichszahlungen_2020_Corona-Krise.pdf – zuletzt aufgerufen am 4. November 2021[]
  2. Eckige Klammern und Hervorhebungen durch den Verfasser[]
  3. Neues Leitkriterium für Corona-Regeln beruht auf fehlerhaften Zahlen – Die Welt vom 18.9.2021 – https://www.welt.de/politik/deutschland/article233872092/Hospitalisierungsrate-Corona-Indikator-beruht-auf-falschen-Zahlen.html – zuletzt aufgerufen am 30.10.2021[]