Alltagsmasken

Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung frei gesprochen, dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein.

Immanuel Kant – Was ist Aufklärung?

Seit Anfang Mai ist unser Alltag geprägt von sog. Alltagsmasken oder dem Mund-Nase-Schutz. Kinder werden zu gefährlichen Keimschleudern deklariert, derer man nur noch durch eine Gesichtsbedeckung Herr werden kann. Es ist mittlerweile hinlänglich bekannt, dass Kinder selten an COVID-19 erkranken und dass sie keine bedeutende Rolle bei der Ausbreitung dieser Erkrankung spielen. 1 Wer den Schutz nicht ordnungsgemäß oder gar nicht trägt wird von Mitmenschen angestarrt, getadelt oder auch in Panik angeschrien. Wissenschaftlich gab und gibt es auch bis heute keinen Beleg, dass das Tragen von Alltagsmasken die Infektionsraten senken kann, da nicht einmal die Übertragungswege von Virusinfektionen ausreichend erforscht sind. 2 Hingegen ist bekannt, dass durch Masken die Atmung behindert und die körperliche Belastbarkeit reduziert wird. 3 Im Mai sollte eine Laborstudie an in Käfigen gehaltenen Hamstern als Beweis dafür herhalten, dass das Tragen von chirurgischen Gesichtsmasken Infektionen mit SARS-CoV-2 verhindern könne. 4 Die Übertragung der Ergebnisse solcher mechanistischer Studienbedingungen auf den Alltag ist fahrlässig und alles andere als wissenschaftlich. Einen weiteren, sehr bemerkenswerten Hinweis lieferte der Virologe Prof. Bartenschlager im FAS-Interview: “Was selbst schlichte Masken bewirken können, macht ein einfaches Experiment sichtbar: Besprüht man ein Stück Stoff mit Wassernebel, kommt dahinter weniger an.” 5 Wie sagte Lisa Fitz in der SWR-Spätschicht: “Ich glaube Corona ist ein Intelligenztest, denn was zur Zeit herrscht ist ja vollkommen aus dem Ruder gelaufenes Halbwissen.” 6 Die wissenschaftliche Evidenz für das Tragen von Masken im Alltag ist sehr schwach und es muss im Gegenteil davon ausgegangen werden, dass die unsachgemäße Anwendung solcher Masken eher gesundheitsschädlich sein kann. David Relman berichtet in einem Artikel von 2012 in der Zeitschrift Nature über das Human Microbiome Project, in dem Wissenschaftler das menschliche Mikrobiom untersuchen (unsere Mitbewohner wie Bakterien, Viren und Pilze bringen bei einem Durchschnittsmenschen ungefähr 2,5 kg auf die Waage und deren Zahl ist größer als die unserer Körperzellen). Die Wissenschaftler fanden heraus, dass sich in der Nase ungefähr 900 verschiedene mikrobielle Spezies und Genmaterial von ungefähr 30.000 Spezies und in der Mundschleimhaut 800 respektive 70.000 davon nachweisen ließen. Von den Bakterien in Plaques im Bereich von Zähnen und Zahnfleisch ganz zu schweigen.7 Hier reicht schon der gesunde Menschenverstand, um zu verstehen, dass das Tragen eines Mundschutzes, der ständig von der eigenen Atemluft befeuchtet wird, um anschließend in einem Plastikbeutel oder in der Hosentasche verstaut zu werden, keinen positiven Effekt auf die Gesundheit haben kann. Auch Politik und Wissenschaft waren im Februar und März noch einhellig dieser Meinung. So urteilte Prof. Christian Drosten auf die Frage, ob man Masken aufsetzen könne: “Hmmm, damit hält man das nicht auf. Da können wir nochmal separat darüber reden, aber die technischen Daten dazu sind nicht gut, für das Aufhalten mit der Maske”. 8 Dr. April Baller von der WHO erklärte: “If you do not have any respiratory symptoms such as fever, cough, or runny nose, you do not need to wear a medical mask like this one. Masks alone can give you a false feeling of protection and can even be a source of infection when not used correctly.” Übersetzung mit DeepL: “Wenn Sie keine Atemwegssymptome wie Fieber, Husten oder eine laufende Nase haben, brauchen Sie keine medizinische Maske wie diese zu tragen. Masken allein können Ihnen ein falsches Gefühl des Schutzes vermitteln und bei unsachgemäßer Anwendung sogar eine Infektionsquelle sein.” 9 Auch Prof. Schaade vom RKI teilte mit: “Wir empfehlen nicht die Nutzung von Desinfektionsmitteln im allgemeinen Alltagsleben auch in dieser jetzigen Situation nicht und wir empfehlen ebenfalls nicht die Nutzung von Gesichtsmasken oder Mund-Nase-Schutz in der der allgemeinen Öffentlichkeit und Alltagsleben.” 10 und in der Bundespressekonferenz war man derselben Meinung: “Was die Maske betrifft, es macht keinen Sinn, dass wir alle hier mit Masken herumlaufen, das hilft nicht”, so Frau Prof. Gastmeier. 11 Schlussendlich steuerte auch der Bankkaufmann und ehemalige Pharma-Lobbyist Jens Spahn seine Expertise im Interview mit der Bild-Zeitung bei: auf die Frage des Redakteurs: “Es tragen ja alle Mundschutz in diesen Tagen, sollen wir das auch tun?” antwortete Spahn: “Nein, das ist nicht notwendig nach Einschätzung der Experten, zumal der Virus wohl auch in den unteren Atemwegen eben sich festsetzt, dadurch gar nicht so leicht einfach nur durch Atmen sozusagen übertragbar ist. Ähm, insofern ist das gleich wie Fieber messen an den Flughäfen, das ist ja auch eine Maßnahme, die diskutiert wurde, und das sind in Teilen eher Aktionen um der Aktion willen, die aber nicht wirklich einen Unterschied machen.” 12 Dem ist nichts hinzuzufügen.
Deshalb ist es nach heutigem Kenntnisstand der Wissenschaft auch nicht nachvollziehbar, was letztendlich zu der Kehrtwende in der Politik geführt hat und dass in Deutschland zu einem Zeitpunkt, an dem es kaum noch an COVID-19 erkrankte Menschen gab, flächendeckend der Mundschutz eingeführt wurde. Aktuell erschien hierzu eine Übersichtsarbeit aus Hong Kong, publiziert in einer Zeitschrift des CDC (Center for Disease Control) aus den USA. Die Autoren untersuchten die Ergebnisse der bisher vorliegenden Studien zum Schutz vor Übertragung einer Influenza (Virusgrippe) im Alltag. Analysiert wurden die Daten für die Händehygiene, Hustenregeln und Gesichtsmasken. Ein Nutzen des Tragens von Mund-Nase-Masken im Alltag konnte anhand der vorliegenden Studien nicht nachgewiesen werden. Dies gilt sowohl für Infizierte zum Schutz von Dritten als auch für den Eigenschutz.13 Die Originalarbeit ist in englischer Sprache verfasst, daher habe ich hier einen Teil der Diskussion (der Abschnitt einer wissenschaftlichen Arbeit, in dem die gefundenen Ergebnisse mit anderen Erkenntnissen verglichen und bewertet werden) mit DeepL übersetzt:
“Wir fanden keine Belege dafür, dass chirurgische Gesichtsmasken wirksam die Übertragung der im Labor bestätigten Influenza reduzieren können, weder wenn sie von infizierten Personen (Quellenkontrolle) noch von Personen aus der allgemeinen Bevölkerung getragen werden, um ihre Anfälligkeit zu verringern (Abbildung 2). Wie bei der Handhygiene könnten Gesichtsmasken jedoch in der Lage sein, die Übertragung anderer Infektionen zu reduzieren, und daher bei einer Influenza-Pandemie von Nutzen sein, wenn die Ressourcen im Gesundheitswesen strapaziert werden.
Es ist unbedingt zu beachten, dass die Mechanismen der Übertragung von Mensch zu Mensch in der Gemeinschaft noch nicht vollständig geklärt sind. Die Rolle der Übertragung durch feinteilige Aerosole ist nach wie vor umstritten (3,46). Die Übertragung durch indirekten Kontakt erfordert die Übertragung eines lebensfähigen Virus von der Atmungsschleimhaut auf Hände und andere Oberflächen, das Überleben auf diesen Oberflächen und die erfolgreiche Inokulation in die Atmungsschleimhaut einer anderen Person. All diese Komponenten des Übertragungsweges sind nicht umfassend untersucht worden. Der Einfluss von Umweltfaktoren wie Temperatur und Feuchtigkeit auf die Influenzaübertragung ist ebenfalls ungewiss (47). Diese Unsicherheiten über grundlegende Übertragungswege und -mechanismen behindern die Optimierung von Kontrollmaßnahmen.”
Auch das Journal of the American Medical Association (JAMA) schrieb im April: “Face masks should be used only by individuals who have symptoms of respiratory infection such as coughing, sneezing, or, in some cases, fever. […] Face masks should not be worn by healthy individuals to protect themselves from acquiring respiratory infection because there is no evidence to suggest that face masks worn by healthy individuals are effective in preventing people from becoming ill”. 14 Übersetzung mit DeepL: “Gesichtsmasken sollten nur von Personen getragen werden, die Symptome einer Atemwegsinfektion wie Husten, Niesen oder in einigen Fällen auch Fieber aufweisen. […] Gesichtsmasken sollten nicht von gesunden Personen getragen werden, um sich vor Atemwegsinfektionen zu schützen, da es keine Beweise dafür gibt, dass Gesichtsmasken, die von gesunden Personen getragen werden, wirksam vor Krankheiten schützen können.”
Auch die Apotheker*innen, die gerne Masken zu horrenden Preisen verkaufen, sollten wissen, dass diese weder den Träger noch sein Gegenüber vor Virusinfektionen schützen können. So urteilte Pharmazeut Prof. Markus Veit: “Wie wir als Apothekerinnen und Apotheker wissen sollten, werden im Gesundheitsbereich Masken verwendet, um Menschen und Produkte zu schützen. Beispielsweise schützen sie Patienten im OP vor Keimen (nicht Viren!), die von den Ärzten kommen, oder sie schützen die Ärzte bei der Behandlung vor Keimen, die von den Patienten kommen. […] Unabhängig vom Einsatzgebiet mussten bisher alle Masken individuelle Normen erfüllen. […] Seit März ist es nun völlig egal, welche Masken wir (auch in der Apotheke) zum Infektionsschutz verwenden, ob wir die aus der Werkstatt holen, beim Fanclub einkaufen oder selbst nähen – Hauptsache Maske! […] Es werden nun zunehmend Studien publiziert, mit denen im vorstehenden Kontext gezeigt werden soll, welche Masken wie effizient im Sinne eines Infektionsschutzes sind. Viele der Daten aus solchen Studien sind aber kaum geeignet, genau diese Fragestellung zu untersuchen, auch wenn der Titel der Studien oder die Interpretation der erhaltenen Ergebnisse durch die bestenfalls halbgebildeten „Faktenchecker“ der Medien dies suggerieren.” 15
Mittlerweile prangt auf vielen Packungen von Mund-Nase-Masken der Hinweis, dass diese nicht vor Viren schützen.

Die Maske muss der Maske wegen getragen werden. Als Symbol für Gehorsam den Maßnahmen der Regierenden gegenüber.

Stefan Aust in “… denn sie wissen NICHT was sie tun”, Welt am Sonntag vom 6.9.2020

Fazit: Täglich werden wir in allen Medien mit dem Halbwissen der Politiker und anderer Entscheidungsträger oder auch den selbsternannten “Faktencheckern” konfrontiert, die uns von der Notwendigkeit von Masken überzeugen wollen. Es ist allerdings aus medizinischer Sicht nicht nachvollziehbar, warum überhaupt und dann zu einem so späten Zeitpunkt nach Abklingen der saisonalen Infektionswelle im Mai 2020 (siehe Grafik) die Maskenpflicht eingeführt wurde.
“Die Empfehlung für MNB im öffentlichen Raum hat 1. keine wissenschaftliche Grundlage und ist 2. sogar potenziell kontraproduktiv. Angesichts der niedrigen Inzidenz von COVID-19 (Juli 2020) und somit auch angesichts der Tatsache, dass eine Überlastung des Medizinsystems und insbesondere der Intensivbehandlungskapazität nicht zu erwarten ist (und im Übrigen auch in den Wochen zuvor nicht gegeben war), ist eine so einschneidende Maßnahme wie die generelle Maskenpflicht für die bei weitem überwiegende Mehrheit aller Bürger im öffentlichen Raum nicht zu begründen und entspricht auch nicht den Empfehlungen der WHO.” schreibt Prof. Ines Kappstein als Fazit in ihrem sehr lesenswerten Artikel in der Zeitschrift Krankenhaushygiene up2date “Mund-Nase-Schutz in Öffentlichkeit: kein Hinweis auf Wirksamkeit”. 16 Wir sollten also das tun, was in der Infektsaison und auch bei Grippe-Pandemien immer getan wurde: kranke Menschen sollten zu Hause bleiben und sollten sie doch die Wohnung beispielsweise zum Einkaufen verlassen müssen, könnte das Tragen eines Mund-Nase-Schutzes sinnvoll sein. Kinder und Jugendliche sollten bei Infekten so lange zu Hause bleiben, bis sie fieberfrei und die Symptome abgeklungen sind und erst dann wieder Gemeinschaftseinrichtungen besuchen. Regelmäßiges Händewaschen schadet zumindest nicht.
Aufgrund der Datenlage ist eine Maskenpflicht bei Kindern und Jugendlichen in der Schule meines Erachtens Körperverletzung und gefährdet das Kindswohl.


Anmerkungen
  1. Merckx J. et al, Transmission of SARS-CoV-2 by Children, Dtsch Arztbl Int 2020; 117: 553-60[]
  2. Tellier R., Aerosol transmission of Influenza-A virus: a review of new studies, J R Soc Interface 2009, 6 (Suppl. 6), S 783-90[]
  3. Effects of surgical and FFP2/N95 face masks on cardiopulmonary exercise capacity, Clinical Research in Cardiology, https://doi.org/10.1007/s00392-020-01704-y[]
  4. https://www.zdf.de/nachrichten/panorama/coronavirus-hamster-masken-studie-100.html – zuletzt aufgerufen am 26. Juli 2020[]
  5. Viren sind die Software – und wir ihre Hardware, FAZ am Sonntag vom 26. Juli 2020[]
  6. Lisa Fitz in SWR-Spätschicht vom 12. Juni 2020[]
  7. D. A. Relman, Learning about who we are, Nature, Vol. 486, 14. Juni 2012[]
  8. Prof. Dr. Christian Drosten, RBB, Talk aus Berlin vom 30. Januar 2020 https://www.youtube.com/watch?v=Z3Zth7KYVHY zuletzt aufgerufen am 26. Juli 2020[]
  9. Dr. April Baller WHO Health Emergencies Programs[]
  10. Prof. L. Schaade, RKI-Pressebriefing vom 28. Februar 2020[]
  11. Prof. Gastmeier, Bundespressekonferenz vom 2. März 2020[]
  12. Jens Spahn, Interview mit der Bild-Zeitung vom 30. Januar 2020 https://www.youtube.com/watch?v=TMNVem7KqlA zuletzt aufgerufen am 26. Juli 2020[]
  13. Xiao J. et al., Nonpharmaceutical Measures for Pandemic Influenza In Nonhealthcare Settings, Emerging Infectious Diseases, www.cdc.gov/eid, Vol. 26, No. 5, May 2020[]
  14. Medical Masks, JAMA, Volume 323, No. 15, 1517-1518[]
  15. https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2020/daz-33-2020/hauptsache-maske-zuletzt aufgerufen am 9.9.2020[]
  16. Kappstein Ines. Mund-Nasen-Schutz in der Öffentlichkeit: kein Hinweis auf Wirksamkeit-Krankenhaushygiene up2date 2020; 15: 279–297[]